Weihnachten – das Fest der Liebe. Und der Geschenke?
- marikaabel

- 19. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Weihnachten & Schenken – Zwischen Konsum Und Echter Begegnung

Weihnachten gilt als das Fest der Liebe. Und doch ist es für viele Menschen auch das Fest des Konsums, des Stresses und der inneren Zerrissenheit. Spätestens im Advent stellt sich die Frage: Was schenke ich – und warum eigentlich?
Die Contra-Seite: Konsumrausch, Stress und Ratlosigkeit
Beginnen wir ehrlich mit der Schattenseite. Der vorweihnachtliche Konsumrausch ist kaum zu übersehen. Einkaufsstraßen sind überfüllt, Online-Shops laufen heiß, Lieferzeiten werden knapp. Viele von uns kennen das Gefühl:
Stress beim Einkaufen
Zeitdruck
Ratlosigkeit
das unangenehme Gefühl, irgendetwas kaufen zu müssen
Besonders schwierig wird es, wenn es um Menschen geht, die uns nahestehen. Menschen, die scheinbar schon alles haben. Oder sich alles, was sie möchten, jederzeit selbst kaufen können – erst recht in Zeiten von Amazon & Co., wo nahezu alles immer und überall verfügbar ist.
Dann wird Schenken schnell zur Pflicht. Nicht aus Freude, sondern aus einem inneren oder äußeren Zwang heraus. Und genau hier verliert das Geschenk seinen eigentlichen Sinn.
Die Pro-Seite: Gedanken, Überraschung und Herzensmomente
Und doch – ganz ohne Geschenke? Für viele fühlt sich das auch nicht stimmig an. Denn Schenken kann etwas Wunderschönes sein.
Was ich persönlich am Schenken am meisten liebe, ist die Überraschung. Der Moment des Auspackens. Der Augenblick, in dem sichtbar wird: Da hat sich jemand wirklich Gedanken über mich gemacht.
Ein Geschenk kann sagen:
Ich habe an dich gedacht.
Du bist mir wichtig.
Ich kenne dich ein Stück.
Ein Geschenk kann Herzen berühren – nicht durch seinen Preis, sondern durch seine Bedeutung.

Wenn Geschenke sich nicht gut anfühlen
Ich gebe offen zu: Ich habe auch schon seelenlose Geschenke weitergeschenkt. Dinge, die mir selbst geschenkt wurden, die hier herumlagen und für die ich keine Verwendung hatte. Und so ehrlich muss ich sein: Es fühlte sich nicht gut an.
Es hatte etwas von Unwahrheit, fast von Betrug.
Denn die unausgesprochene Botschaft lautet dann:
„Ich habe dieses Geschenk nicht für dich ausgesucht, weil du mir wichtig bist – sondern weil es gerade verfügbar war.“
Das entspricht nicht meinem Verständnis von echtem Schenken. Und genau hier lohnt sich ein Innehalten.
Eine Einladung zum Umdenken
Was wäre, wenn wir unseren Konsum unterjährig bewusster gestalten würden?
Was wäre, wenn wir uns erlauben würden, Wünsche nicht sofort zu erfüllen, sondern sie aufzuschreiben – vielleicht sogar auf eine Weihnachtswunschliste über das Jahr hinweg?
Das würde bedeuten:
Geduld üben
Vorfreude zulassen
bewusster konsumieren
Ist Geduld nicht eine wertvolle Tugend?
Diese Übung wäre übrigens auch eine wunderbare Vorbereitung auf Krisenzeiten. Zeiten, in denen nicht alles sofort verfügbar ist. Zeiten, in denen plötzlich das Toilettenpapier im Supermarkt fehlt. Geduld stärkt unsere Resilienz – und bringt uns zurück in die Dankbarkeit.
Zeit statt Dinge verschenken
Vielleicht liegt die Antwort nicht in mehr Geschenken, sondern in anderen Geschenken.
Warum nicht Zeit verschenken?
Zeit ist das Wertvollste, was wir haben. Unsere Lebenszeit ist begrenzt. Wenn wir Zeit verschenken, sagen wir:
Ich schenke dir einen Teil meines Lebens, weil du mir wichtig bist.

Das kann viele Formen annehmen:
Karten für ein Konzert, ein Theaterstück oder einen Vortrag
ein gemeinsamer Kinobesuch
ein Spaziergang mit anschließendem Kaffee
ein gemeinsamer Kochabend
Allein die Vorfreude auf ein solches Erlebnis wirkt oft schon wochenlang nach. (Vor-)Freude in sich zu tragen – ist das nicht ein wunderschöner Gedanke?
Einladung statt Gutschein
Es muss nicht immer ein offizielles Event sein. Manchmal reicht eine Einladung.
Eine Einladung zu Kaffee und Kuchen
Ein Abendessen bei dir zu Hause
Ein gemeinsames Frühstück oder Brunch
Hier geschieht etwas sehr Wertvolles. Denn wie heißt es so schön: My home is my castle.
Wenn ich jemanden zu mir nach Hause einlade, lade ich ihn in mein persönliches Reich ein. In mein privates Wohlfühlzuhause. In meinen geschützten Raum. Das ist ein Geschenk, das kein Geld kostet – und dennoch von unschätzbarem Wert ist.
Weitere Ideen für sinnvolle Geschenke
Zeit-Gutscheine: Babysitten, Hilfe im Garten, ein gemeinsamer Ausflug
Erinnerungen schaffen: Ein Fotobuch mit gemeinsamen Momenten
Worte schenken: Ein handgeschriebener Brief
Aufmerksamkeit: Ein Tag ohne Handy, nur füreinander da sein
Selbstgemachtes: Marmelade, Kekse, ein selbst gestrickter Schal – nicht perfekt, aber von Herzen

Fazit: Weniger Zeug, mehr Bedeutung
Vielleicht ist Weihnachten nicht das Fest der Geschenke – sondern das Fest der Aufmerksamkeit, der Verbundenheit und der Liebe.
Wenn wir schenken, dann nicht aus Pflicht, sondern aus Freude. Nicht aus Stress, sondern aus Verbundenheit. Nicht, um etwas loszuwerden – sondern um etwas zu teilen.
Vielleicht ist genau das das größte Geschenk: bewusst zu schenken – oder auch bewusst nicht.
In diesem Sinne wünsche ich dir ein gesegnetes Weihnachtsfest und liebevolle Geschenke
Deine Marika



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